Die Kuppeln der Kathedrale in Zaragoza

Zaragoza: Römisches Erbe in Aragonien

„Dinge wahrzunehmen ist der Keim der Intelligenz.“

Lao-tse

In Vic besteht mein Leben aus Arbeit, Kochen, einem kurzen Spaziergang, mehreren Duschgängen und unruhigen Nächten. Am liebsten würde ich nachts joggen oder spazieren gehen, denn dann ist es herrlich kühl. Doch meine Nachbarschaft ist mir leider nach wie vor äußerst suspekt. Zwar gibt es auch im Umkreis von Vic einige wunderschöne Orte, doch hier möchte ich ebenfalls nicht alleine unterwegs sein. In diesem Fall wegen möglicher Unfälle. Deshalb packe ich kurzentschlossen meine Koffer und mache mich auf den Weg, einmal quer durch Spanien: Mein erstes Etappenziel ist Zaragoza, die Hauptstadt der Provinz Aragonien.

Zwischenstopp in der Stadt Lleida

Kurz bevor ich mein Etappenziel auf dem Weg nach Zaragoza erreiche, beginnt es zu schütten wie aus Kübeln. Ich komme mir bei dem Wetter fast wie in Irland vor, dabei müsste ich es eigentlich aus Vic gewöhnt sein. Doch ich bin bei diesem Regen noch nie Auto gefahren, sodass mir kurzfristig etwas Angst und Bange wird. Schließlich ist eine minimale Sicht kombiniert mit der feurigen Fahrweise der Spanier eine denkbar schlechte Kombination.

Im Inneren der ehemaligen Kathedrale von Lleida
Im Inneren der ehemaligen Kathedrale von Lleida

Schnell kommt jedoch die Sonne wieder raus und es wird wunderbar schwül. Das Atmen fällt dementsprechend schwer. Die ehemalige Kathedrale der Stadt, la Seu Vella, liegt auf einem Hügel im Zentrum der Stadt. Ob mein Auto das schafft? Nach einem Schreckensmoment geht es mit Karacho den Berg hoch. Ob ich für den Parkplatz hier bezahlen muss? Ich sehe zumindest mal weder einen Automaten noch ein Schild, deshalb beschließe ich, dass die hiesigen Politessen bestimmt nachsichtig mit mir sein werden.

Überblick über die Stadt Lleida
Überblick über die Stadt Lleida

Von meinem Parkplatz aus bringt mich ein Fahrstuhl eine Etage höher. Nun stehe ich vor einer Brücke aus Holz, die mich von meinem Ziel trennt. Mutig schreite ich hinüber. Und falle dabei vor Schreck beinahe in Ohnmacht. Denn das Material hat auch schon bessere Tage gesehen. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen, denke ich mir. Wie eine selbsterfüllende Prophezeiung werde ich mit einem wunderbaren Ausblick vom Kirchturm belohnt. Außerdem sehe ich mir das beeindruckende ehemalige Kloster an. Allmählich macht sich jedoch das Wetter bemerkbar: Mir ist schwindelig und meine Muskeln zeigen mit einem leichten Zittern die Anstrengung an – Zeit, weiterzufahren.

Zaragoza – Unerwartet kommt oft

Auf dem Weg nach Zaragoza halte ich mehrmals an einer Tankstelle an. Denn die Hitze macht sich inzwischen auch im Auto bei aufgedrehter Klimaanlage bemerkbar. Zudem tut mir die Bewegung gut. An einer Tankstelle besorge ich mir mein Mittagessen, weil mein Magen mehr als nur knurrt. Er brüllt fast schon. Meine Wahl muss richtig gewesen sein, da sich mir ein überaus erheiterndes Schauspiel bietet. Die Schlangen an den Zapfsäulen werden via Lautsprecher vom Shop der Tankstelle aus dirigiert. Nur dumm, wenn die Autofahrer nicht zuhören wollen. Als ich schließlich bezahlen möchte, bekomme ich ungefragt noch eine Bonuskarte der Kette von der gestressten Kassiererin auf den Trensen geknallt. Nett hier.

Die bekanntere Kathedrale von Zaragoza
Die bekanntere Kathedrale von Zaragoza

Als ich endlich in meinem Hostel in Zaragoza ankomme, geht es erst einmal an die Planung der folgenden Tage: Neben einer kostenlosen Stadttour steht der Besuch eines berühmten Parks und die Besichtigung des Aljaferia Palastes an. Dieser ist im Norden Spaniens äußerst selten, denn während der sogenannten Reconquista wurden, so sagt mir am nächsten Tag der Reiseführer, die meisten maurischen Paläste in Nordspanien zerstört. Allgemein ist Zaragoza für die ein oder andere Kuriosität gut: In der größeren Kathedrale der Stadt hängt nicht nur die Statue einer Heiligen, sondern daneben befinden sich zwei intakte Bomben aus einem Krieg, natürlich entschärft. Und ausnahmsweise mal nicht aus dem Zweiten Weltkrieg.

Im Innenhof von Aljaferia
Im Innenhof von Aljaferia

Im hiesigen Aquarium, das die weltweit größten Flüsse als Thema hat, gibt es sogar Piranhas. Die sehen allerdings irgendwie so gar nicht gefährlich aus. Ob ich meinen Finger mal in das Becken stecken soll? Doch lieber nicht. Neben dem Nil, dem Mekong und dem Amazonas behandeln die Mitarbeiter außerdem den Ebro, dem die iberische Halbinsel ihren Namen verdankt. Bei meiner geführten Kajaktour auf selbigem kann ich mich auch direkt von der Schönheit des Gewässers überzeugen. Es wirkt allerdings ein bisschen handzahm. Unsere Reiseführer erklären uns jedoch, dass es regelmäßig zu Überschwemmungen kommt. Diese treffen insbesondere die neueren Gebäude am linken Flussufer. Hätte doch mal jemand auf die Römer gehört, die Bauten nämlich nur rechtsseitig des Ebro.

Weitere Impressionen von Zaragoza

Werbeplakat unweit meiner Unterkunft
Werbeplakat unweit meiner Unterkunft
Werbung aus einer anderen Zeit
Werbung aus einer anderen Zeit
Der Aljaferia Palast von außen
Der Aljaferia Palast von außen
In Aljaferia tagt auch das lokale Parlament
In Aljaferia tagt auch das lokale Parlament
In einem der vielen Parks der Stadt
In einem der vielen Parks der Stadt
Farbenfrohe Bänke heben gleich die Laune
Farbenfrohe Bänke heben gleich die Laune
Mal nicht der schiefe Turm von Pisa
Mal nicht der Schiefe Turm von Pisa
Die ehemalige Moschee von Zaragoza
Die ehemalige Moschee von Zaragoza

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.