Herkulaneum von oben

Herkulaneum und Pompeji – Ein besonderes Geschichtserlebnis

„But I love him.“ – „So love him.“ – „But I miss him.“ – „So miss him. Send him love and light every time you think about him, and then drop it.“

Elizabeth Gilbert (Eat, Pray, Love)

Foggia war für meinen Liebeskummer eher suboptimal. Da ich bereits in Neapel war und die Stadt interessant fand, ist ein Ausflug nach Herkulaneum und Pompeji fast selbstverständlich. Außerdem war das schon immer ein Lebenstraum von mir. Den Aufstieg auf den Vesuv nehme ich dabei gerne auch noch mit – Ich war noch nie auf einem aktiven Vulkan. Obwohl ich Ablenkung brauche, wird mir Tinder allmählich zu bunt. Neulich fragte mich ein Albaner, ob ich für 10.000 Euro eine Scheinehe eingehen würde.

Mein Leben steht momentan unter dem Stern: Nicht alles, was du willst, bekommst du auch. Ähnlich verhält es sich bei meiner Autofahrt nach Herkulaneum. Aus Kostengründen habe ich mich dafür entschieden in einem Hostel beziehungsweise einer Jugendherberge zu übernachten. Um diese in Herkulaneum zu erreichen, muss ich allerdings erst einmal durch Neapel durch – zur Hauptverkehrszeit. Von den Umleitungen und Staus vorher ganz zu schweigen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Verkehrsregeln ich in dem Chaos gebrochen habe.

In einem der vielen Gebäude von Herkulaneum
In einem der vielen Gebäude von Herkulaneum

Völlig entnervt komme ich am Fuße des Vesuvs an. Die Jugendherberge, die ich mir ausgesucht habe, ist außerordentlich heimelig, wenngleich ein Party-Hostel. Ob ich hier arbeiten können werde, ist fraglich, doch die Hausregeln machen mir Hoffnung. In meiner ersten Nacht schlafe ich schlecht. Um vier Uhr morgens setzt sich ein junger Mann in den Kopf, dass er jetzt unbedingt mit seiner Freundin oder seiner Schwester sprechen muss. Auf den Flur kann er dafür natürlich nicht gehen. Das Gespräch dauert circa anderthalb Stunden.

Herkulaneum

Ich breche viel zu früh zu den Ruinen von Herkulaneum auf. Da ich auf den Eintrittskarten für den Vesuv und die Überreste von Pompeji sowie Herkulaneum jeweils eine festgelegte Zeitspanne wählen musste, in der in die Stätten betreten werde, will ich nicht zu spät sein. Ansonsten könnte mir der Zutritt verweigert werden. Das Wetter ist heute nicht auf meiner Seite, denn es ist eiskalt und regnerisch. Natürlich habe ich nicht die passende Kleidung mit, aber zumindest habe ich auf meine Sommerkleidchen verzichtet – Es könnte daher viel schlimmer sein.

Als ich die Überreste der antiken Stadt Herkulaneum schließlich sehe, verschägt es mir den Atem. Inmitten der modernen italienischen Gemeinde befindet sich eine Senke. Dort liegt die archäologische Stätte. Diese kommt mir vor wie aus einer anderen Zeit. Das Ganze hat einen etwas surrealen Touch, da man den Ort zuerst von einer erhöhten Position aus erblickt. Er wirkt verlassen. So, als hätte man sich mehrere Jahrzehnte nicht um ihn gekümmert. Dabei lag er fast 2.000 Jahre unter der Erde. Noch heute haben manche Bereiche von Herkulaneum das Tageslicht nicht gesehen.

Auf den Straßen von Herkulaneum
Auf den Straßen von Herkulaneum

Nachdem man einmal um die Ausgrabungsgestätte herum gegangen ist, geht es durch einen langen Tunnel nach unten. Als erstes sehe ich Skelette und direkt daneben Hühner, die sich um Essensreste zanken. Ein Blick nach links und rechts zeigt mir, wie groß der Höhenunterschied ist. Absolut beeindruckend. Auch die Gebäude an sich hinterlassen in meinem Geist ihre Spuren – Ich möchte jeden Winkel dieses Ortes entdecken. Nach insgesamt vier Stunden werde ich nach und nach müde. Wie aufs Kommondo ergießt sich über Herkulaneum ein Gewitter, das sich gewaschen hat. Ich warte den gröbsten Regen ab. Danach verlasse ich meine Deckung, um zum Ausgang zu gelangen. Das kostet mich einiges an Überwindung, da ich große Angst vor Blitzen habe.

Danach geht es auf den Vesuv

Durchgefroren gönne ich mir in der Jugendherberge ein wenig Ruhe. Doch meine Zeit zum Verschnaufen ist begrenzt. Meine Eintrittskarte für den Krater des Vesuvs ist auf vier Uhr angesetzt. Den Parkplatz musste ich ebenfalls im Vorfeld online buchen. Dummerweise hat man am Vesuv direkt keinen Empfang. Ich bin nervös, ob die ganze Unternehmung auch so klappt, wie ich mir das vorstelle. Denn auch der Shuttlebus, der mich zum Wanderweg bringen soll, darf nicht zu spät kommen.

Der schneebdeckte Vesuv hüllt sich in Wolken
Der schneebdeckte Vesuv hüllt sich in Wolken

Vor einer Straßensperre und einem Kiosk halte ich an. Die Besitzerin erklärt mir, man habe den Zugang bis auf Weiteres wegen des Schnees eingeschränkt. Anschließend bekomme ich eine ausgiebige Einführung in ihre Familiengeschichte. Ihr Vater habe mehrere Jahrzehnte eine schweizerische Seilbahn am Vesuv bedient und sei so etwas wie eine kleine Berühmtheit. Einige italienische Autos passieren die Straßensperre der Polizei, sodass ich mich frage, ob die Kioskbesitzerin versucht hat, mich übers Ohr zu hauen. Da das Zeitfenster um ist, steige ich verwirrt in meinen Wagen und fahre den Vesuv wieder hinunter. Dabei beginnt es zu hageln.

Unwillkürlich setzt bei mir das Heimweh ein. Wonach weiß ich noch nicht mal genau. Außerdem habe ich noch nichts gegessen und mein Magen knurrt fürchterlich. Zudem bin ich ohne Nahrung echt unausstehlich. Da ich neben Herkulaneum auch Pompeji besuchen möchte, suche ich mir einen Lidl dort in der Nähe heraus, um einkaufen zu gehen. Dann weiß ich am nächsten Morgen zumindest ein bisschen, worauf ich mich streckenmäßig einlasse. Aufgrund der starken Regenfälle stehen ganze Teile der Straße unter Wasser – auch gut, spare ich mir dadurch einen Teil der Autowäsche.

Wie Pompeji im Vergleich zu Herkulaneum abschneidet

Obwohl ich Pompeji schon mein ganzes Leben lang sehen wollte, kostet es mich zu Beginn wesentlich mehr Nerven als Herkulaneum. Die Straßen sind voll von Einweisern, die mich zu einem Parkplatz für zwei Euro pro Stunde locken wollen. Aufgrund der Tatsache, dass ich weiß, dass das auch billiger geht, probiere ich mein Glück woanders. Mehr aus Zufall lande ich schließlich auf dem Parkplatz eines Klosters, der eigentlich nur für Pilger gedacht ist. Mein deutsches Kennzeichen schindet wohl Eindruck. Interessiert schaue ich zu, wie ein Priester einen Autofahrer direkt neben dem Fahrzeug segnet: Jedem das Seine.

Kleine Bildergalerie zu Pompeji

Verglichen mit Herkulaneum ist Pompeji sowohl größer als auch touristisch besser erschlossen. Sobald ich in der Menschenmenge feststecke, bin ich maximal genervt. Das liegt daran, dass ich die Vielzahl der Eindrücke nur schwer verarbeiten kann. Trotz besten Wetters will sich bei mir die Hochstimmung vom Vortag nicht einstellen. Mein persönliches Highlight sind die entlegenen Gassen Pompejis, wo es weniger Touristen gibt. Dann fühle ich mich gleich wieder wie in Herkulaneum. Außerdem bin ich sehr stolz, als ich inmitten der ganzen Ausländer als eine der wenigen Touristen meine Bestellung im einzigen Kiosk dort auf Italienisch aufgeben kann. Erschöpft falle ich auch hier nach ungefähr sechs Stunden in Pompeji ins Bett.

Weitere Impressionen aus Herkulaneum

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