Die Katakomben von Neapel

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Neapel: Zwischen Toten und Pizza

„Jeder Augenblick im Leben ist ein Schritt zum Tode hin.“

Pierre Corneille

Mit der Stadt Neapel assoziiere ich folgende Dinge: Lange Wäscheleinen an Hochhäusern, den Vesuv im Hintergrund und natürlich Pizza, Pizza, Pizza! Es steht außer Frage, dass ich nach Neapel muss, um dort eine Pizza Margherita zu verspeisen. Beim Packen mache ich mich bereits darauf gefasst, vollkommen under-dressed zu sein. Schon in Piane d’Archi-Quadroni ist mir aufgefallen, dass sowohl Frauen als auch Männer in Italien immer aussehen wie aus dem Ei gepellt. Ich halte persönlich weder von Mode noch von Make-Up allzu viel, weshalb ich sie im Alltag meist nicht nutze. Damit werde ich in einer Großstadt wie Neapel wahrscheinlich noch mehr auffallen.

Seit wann gibt es Einhörner in der Kirche?
Seit wann gibt es Einhörner in der Kirche?

Das erste, was ich auf dem Weg nach Neapel wieder zu spüren bekomme, ist allerdings die durchweg aggressivere Atmosphäre beim Autofahren. Meine Unterkunft liegt im Herzen der Stadt – entsprechend viel Verkehr erwartet mich zur örtlichen Stoßzeit. Weiterhin sind die Straßen auch im Zentrum in einem erbarmungswürdigen Zustand. Nicht zu vergessen das ständige Gehupe, dessen Ursache im Verborgenen bleibt. Irgendwann reicht es mir und ich haue selbst lange auf meine eigene Hupe. So viel Temperament würde ich im deutschen Straßenverkehr nicht an den Tag legen.

Die Straßen von Neapel entdecken

Meinen Besuch in der Stadt am Vesuv verbinde ich mit einem Zusammentreffen mit meinem polnischen Freund, den ich in Asini kennengelernt habe. Neugierig verschlägt es uns in ein Geschäft mit osteuropäischen Spezialitäten. Was uns in diesem Laden im Zentrum Neapels wohl erwartet? In erster Linie für mich vollkommen unverständliche Produkte.

Neben beeindruckender Architektur übernachten in Neapel die Obdachlosen
Neben beeindruckender Architektur übernachten in Neapel die Obdachlosen

Der Mann hinter der Theke spricht mich in fließendem Italienisch an, wobei ich definitiv einen harten Akzent heraushöre. Anschließend entspinnt sich ein Gespräch zwischen ihm und meinen Partner: Der eine kommuniziert auf Polnisch, während sein Gegenüber entweder Russisch oder Ukrainisch spricht. Die Verständigung scheint zu klappen. Wir verlassen mit einem georgischen Wein den Laden.

Endlich in Hülle und Fülle schlemmen

Gehoben Essen in Neapel
Gehoben Essen in Neapel

Nach dem unerwarteten Exkurs in die Küche Georgiens, möchte ich mich doch lieber wieder auf Italien konzentrieren. Meine neapolitanischen Gastgeber haben mir sogar zwei Pizzerien empfohlen. Die erste wartet mit frittierter Pizza auf. Ich bin überaus skeptisch, ob das schmeckt, muss mir jedoch nach der Mahlzeit eingestehen, dass die Kombination durchaus etwas für sich hat. Mein Lieblingsessen wird es trotzdem nicht.

Viel lieber ist mir die klassische Pizza, vollkommen unfrittiert. Das Restaurant, das bei den Einwohnern von Neapel ebenfalls hoch im Kurs steht, besitzt sogar einen Michelin-Stern. Hierbei lerne ich, dass der kulinarische Michelin-Stern tatsächlich etwas mit dem französischen Reifenhersteller zu tun hat. Man lernt nie aus. Auch diese Pizza – natürlich eine Pizza Margherita, wie erhofft – schmeckt köstlich, ist allerdings eher teuer.

Totenköpfe sind in der Stadt ein häufiges Motiv
Totenköpfe sind in der Stadt ein häufiges Motiv

Mit vollem Magen auf den Spuren der Toten wandeln

Neapel hat alles in allem einen durchaus morbiden Touch. Ich verstehe zwar auch, weshalb sich viele Menschen aufgrund der Hochhäuser und der weitläufigen Wäscheleinen an eine Stadt in einem Dritte-Welt-Land erinnert fühlen, meine erste Assoziation ist aber eine andere. Denn als ich die Kirche namens „Santa Maria delle Anime del Purgatorio ad Arco“ besuche, begegne ich hautnahe dem örtlichen Totenkult, der sich vor allem um die Verehrung beziehungsweise die Pflege der Schädel dreht.

Römische Bäckerei unter Neapel
Römische Bäckerei unter Neapel

Entsprechend eingestimmt, darf ein Besuch in den Katakomben von Neapel natürlich auch nicht fehlen. Hier erwarten mich jedoch keine nebeneinandergestapelten Schädel, sondern das symbolische Grab eines Heiligen inmitten der Nischen. Die Katakomben von San Gennaro (Siehe Beitragsbild) sind nach dem Schutzheiligen der Stadt benannt und viele Kilometer lang. Ursprünglich wollte ich die Höhlen und Zisternen des unterirdischen Neapel sehen, stattdessen lande ich jedoch inmitten einer römischen Einkaufsstraße unter der Erde, die als Teil der archäologischen Ausgrabungsstätte neben der Kirche „San Lorenzo Maggiore“ liegt. Nach einem ereignisreichen Tag rückt auf dem Weg zu meiner Unterkunft auch noch die lokale Feuerwehr aus – ein echtes sowie lautstarkes Spektakel!

Die Feuerwehr von Neapel in Aktion

Weitere Impressionen aus Neapel

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