Die Gassen von Lanciano

Lanciano: Die typische italienische Stadt

Eulen und Falken sitzen nicht auf demselben Balken.

Deutsches Sprichwort

Piane d’Archi-Quadroni ist wirklich eine Art Dorf. Das mag zwar einige Zeit sehr nett sein, doch das Gefühl hatte ich in Asini schon. Da konnte ich aber wenigstens raus. Daher setze ich meine Hoffnung auf Lanciano. Die Stadt ist nur wenige Kilometer entfernt und verspricht einen Aufenthalt im Freien, ohne dass ich mir über agressive Hunde Gedanken machen muss. Wie sehr Straßenhunde in Italien ein Problem sind, erfahre ich erst später durch eine kurze Internetrecherche.

Bei meiner Fahrt nach Lanciano bemerke ich mal wieder, dass die Italiener auf den Straßen um ein Vielfaches rücksichtsloser als die Griechen sind. Dabei fahren sie jedoch mindestens genau so chaotisch. Waghalsige Überholmanöver jeder Wagenklasse sind an der Tagesordnung und drängeln können sie auch meisterhaft. Am stärksten bleibt mir dabei ein Ferrari in Erinnerung, der die Rückseite meines Wagens so interessant findet, dass er sie fast küsst. Vielleicht muss er seine schwangere Frau ins Krankenhaus fahren?

Gefunden an einer Wand in Lanciano
Gefunden an einer Wand in Lanciano

Keine Menschenseele in Lanciano

Als ich mein Fahrzeug in einer ruhigen Seitenstraße abgestellt habe – hoffentlich darf ich hier überhaupt parken – kann ich es kaum erwarten aus dem Auto zu kommen. Ich leide definitiv unter Bewegungsmangel. Zwar mache ich Zuhause natürlich Sport, doch das ist nicht dasselbe wie ein ausgedehnter Spaziergang.

Der Stadtteil, in dem ich geparkt habe, erweckt einen eher heruntergekommen Eindruck. An einem verlassenen Busbahnhof findet sich massenweise Müll neben zersplitterten Glasscheiben, die die wartenden Fahrgäste vor Wind und Wetter schützen sollen. Nur sind momentan weder Busse, noch Fahrgäste anwesend. Ich mache, dass ich von diesem Ort wegkomme.

MItten in der Stadt in einer Senke
MItten in der Stadt in einer Senke

Zwei verschiedene Welten

In der Altstadt bietet sich mir auf einmal ein vollkommen anderes Bild. Die Straßen, die Gebäude sowie die Grünflächen sind sauber. Trotz allem sehe ich wenige Menschen. Was ist denn hier los? Nach einem Blick auf die Uhr geht mir auf, dass mein Besuch exakt in die Zeit der Mittagsruhe fällt. Dementsprechend haben alle Geschäfte und Sehenswürdigkeiten zu. In eine der Kirchen komme ich glücklicherweise auch so rein.

Bei einem mittelalterlichen Turm habe ich weniger Glück. An der Tür hängt ein Schild mit einer Telefonnummer und dem Vermerk, man möge bei einer gewünschten Besichtigung doch bitte anrufen, dann käme jemand. Ich entscheide mich dagegen. Auf dem Weg durch die Stadt komme ich an den ehemaligen Befestigungsanlagen vorbei – Der Graben ist ausgesprochen weit und daher sehr eindrucksvoll.

Eine der vielen Kirchen von Lanciano
Eine der vielen Kirchen von Lanciano

Noch eine Sache geht mir schnell auf: In Lanciano gibt es eine Unzahl an Kirchen. In jeder Straße scheint es ungefähr fünf von diesen Bauten zu geben. Zweimal lese ich von einem christlichen „Wunder“. Das ist mir dann doch zu viel der Religion. Interessiert betrachte ich stattdessen ein an die Hauswand gespraytes Logo, das Thema scheint feministisch zu sein. Gegenüber befindet sich ein Automat an dem man nicht nur Zigaretten, sondern auch Glücksspiellose und ähnliches bekommt. An die Kondomautomaten neben den Apotheken habe ich mich bereits gewöhnt, dieses Exemplar weckt hingegen mein Interesse.

Örtliches Altenheim
Örtliches Altenheim

Sobald ich mich durch alle möglichen Funktionen geklickt habe, setze ich meinen Spaziergang durch die Altstadt von Lanciano fort. Ich merke, dass ich wieder das Viertel wechsele, als ich vor einem älteren, halb verfallenen Gebäude stehe. Es wird anscheinend als Altenheim genutzt. Die Türen stehen offen, im Flur trocknet die Wäsche. Überall stinkt es nach Urin, auch auf der Straße.

Ich sehe zu, dass ich aus Lanciano wegkomme. Mir steht der Sinn nach ein wenig Natur, sodass ich auf dem Rückweg bei einem örtlichen Naturschutzgebiet vorbeischaue. Inmitten von Grün und neben einer rauschenden Wasserschleuse, kommen meine Gedanken zur Ruhe. Der Rundgang durch Lanciano hat zwar gutgetan, doch ein Stadtmensch wird aus mir in diesem Leben nicht mehr – zumindest nicht für einen längeren Zeitraum.

Wasserschleuse im Naturschutzgebiet
Wasserschleuse im Naturschutzgebiet

Weitere Impressionen von Lanciano

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