Piane d'Archi-Quadroni in der Abenddämmerung

Piane d’Archi-Quadroni: Willkommen beim „Italian way of life“

„Chaos tritt dort am meisten auf, wo Ordnung gesucht wird. Es besiegt immer die Ordnung, denn es ist besser organisiert.“

Terry Pratchett

Piane d’Archi-Quadroni und ich haben keinen guten Start. Meine Nachbarn schauen bis morgens um zwei Uhr Fernsehen, die Wände hier sind dünn. Das ginge ja alles noch, wenn sie das verdammte Ding nicht morgens um acht Uhr wieder anschalten würden. Außerdem muss ich schließlich noch arbeiten. Bevor ich denen da drüben auf Englisch die Meinung Geige, finde ich eine andere Lösung: Ich mache meinen Fernseher eben auch an. Ab sofort laufen „The Mentalist“ und „Bones“ bei mir in Dauerschleife auf Italienisch. Zumindest kenne ich die Serien.

Zudem versüßen mir die hiesigen Haustiere das Leben. Vor allem die Katzen sind äußerst anhänglich. Schnell freunde ich mich mit „Twix“ an. Die Hunde sind jedoch eher zurückhaltend, was ich schade finde. Jeden Morgen mache ich mir mit meinem hauseigenen Espressokocher einen Kaffee, esse ein ansonsten minimalistisches Frühstück und fühle mich sehr italienisch. Zwischen zwölf und sechzehn Uhr herrscht hier außerdem Siesta. Und zwar anscheinend überall. Jedes Geschäft hat zu.

Mülltrennung in Piane d'Archi-Quadroni
Mülltrennung in Piane d’Archi-Quadroni

Die Hunde von Piane d’Archi-Quadroni

Wie auch in Asini fällt mir in Piane d’Archi-Quadroni irgendwann die Decke auf den Kopf. Daher beschließe ich joggen zu gehen. Direkt hinter meiner Behausung befindet sich ein Waldgebiet. Zwar geht es da nur bergauf, der Rückweg wird dafür ein Kinderspiel, denke ich mir. Schnell bin ich außer Puste, doch das macht nichts. Der Ausblick auf Piane d’Archi-Quadroni und das Umland entschädigt mich.

Als ich an einem einzelnen Haus vorbeikomme, drossele ich meine Geschwindigkeit. Ich habe im Ort schon bemerkt, dass manche Hunde bis an die Grundstücksgrenze gehen, um mich anzubellen. Passiert ist zwar nichts, aber ich muss ja kein unnötiges Risiko eingehen. Langsam laufe ich an dem Tor vorbei. Pfeilschnell kommen zwei, drei Hunde aus dem Hof geschossen und heften sich an meine Fersen. Ich bewege mich außerordentlich langsam. Nicht, dass die blöden Köter noch auf die Idee kommen, zuzubeißen.

Abends in Piane d'Archi-Quadroni
Abends in Piane d’Archi-Quadroni

Als sich der Schock gelegt hat, wird mir bewusst, dass ich den Hunden natürlich Unrecht tue. Schließlich sind die Besitzer für das Verhalten verantwortlich. Kurz vor meiner Wohnung, steht ein weiteres Exemplar auf der Straße. Da es mit dem Schwanz wedelt, denke ich mir nichts weiter dabei und streichele das Tier kurz. Das fasst der Riesenlabrador allerdings als Einladung auf. Er möchte spielen. Leider hat er noch nicht mitbekommen, dass Menschen etwas delikater gebaut sind. Über meinen Oberschenkel ziehen sich drei rote, teils offene, Striemen. Von Hunden habe ich hier die Schnauze voll.

Ärztemarathon in Italien

Da ich seit meinem Ausflug nach Kalambaka Probleme beim Laufen habe, mache ich einen Termin beim Orthopäden aus. Dieser sagt mir, der Fuß sei überlastet, ich solle mich schonen. Nach fünf Minuten bin ich wieder draußen und darf 150 Euro bezahlen. Kopfschüttelnd verlasse ich die Arztpraxis. Ich habe eindeutig den falschen Beruf gewählt, zumindest aus finanzieller Sicht (Falls das jemand liest, der mir 1.800 Euro pro Stunde zahlen möchte – bitte sofort bei mir melden!).

Darf ich vorstellen? - Twix
Darf ich vorstellen? – Twix

Kurz darauf muss ich schon wieder zum Arzt. Dieses Mal für meine dritte Corona-Impfung, ohne die ich in Italien aufgeschmissen wäre. Mir wird gesagt, ich könne mich ohne Probleme im örtlichen Krankenhaus impfen lassen. Als ich dort ankomme, weiß keiner von nix. Englisch ist in diesem Land auch nicht verbreitet. Gestresst radebreche ich mit einem Mix aus Spanisch und Italienisch. Es hilft alles nichts: Ich brauche eine italienische Steuernummer. Am nächsten Tag füllt eine Ärztin den Antrag für mich aus und ich kriege endlich die verdammte Spritze.

Nachdem ich in Piane d’Archi-Quadroni beziehungsweise im örtlichen Krankenhaus quasi Promistatus erlangt habe, freue ich mich auf ein entspanntes Einleben. Doch es kommt anders. Wegen Brennens im Genitalbereich suche ich einen Gynäkologen auf. Während ich, die Beine gespreizt, vor einem Mann liege, der mich mehr schlecht als recht versteht, fällt ihm auf, dass seine Einweghandschuhe leer sind. Flugs verschwindet er aus dem Raum. Kurz darauf haben wir geklärt, dass ich eine Pilzinfektion habe.

Sonnenuntergang in Strandnähe
Sonnenuntergang in Strandnähe

Die ist alles andere als angenehm, sodass ich erleichtert bin, als er mir entsprechende Medikamente verschreibt. Nach einigen Wochen kann ich mich zumindest in der Apotheke schon richtig gut verständigen. Irgendwann bin ich in einer Apotheke, wo mich die Dame hinter dem Tresen sehr skeptisch ansieht. Anschließend haut sie einen Stempel mit Datum auf mein Rezept. So wie es aussieht, war das nur für einmal gültig und sie denkt, ich sei ein illegaler Medikamentenkurier oder sowas in die Richtung. Darauf verlasse ich Piane d’Archi-Quadroni, um diese Erkenntnis am Strand erstmal zu verdauen.

Weitere Impressionen aus Piane d’Archi-Quadroni

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