Sevilla vom Triana Distrikt aus

Sevilla: Flamenco, Mauren und was das Herz begehrt?

„Wie geht’s, sagte ein Blinder zu einem Lahmen. Wie Sie sehen, antwortete der Lahme.“

Georg Christoph Lichtenberg

Schweren Herzens verabschiede ich mich von Zaragoza und mache mich auf den Weg nach Sevilla: Der erste Zwischenstopp ist Madrid. Dieses Mal übernachte ich jedoch in einem Hotel. Schließlich muss ich irgendwann auch einmal arbeiten. Und das ist mir im Hostel mehr als schwergefallen. Nicht nur wegen der vielen Aktivitäten, sondern insbesondere wegen des Schlafentzugs. Ein Schlafsaal mit 5-9 weiteren Personen hat halt so seine Nachteile. Jedenfalls bin ich guter Dinge, dass ich nun ein wenig produktiv sein und trotzdem einen kurzen Abstecher in die Innenstadt der spanischen Hauptstadt machen kann.

Palacio Real de Madrid
Palacio Real de Madrid
Ein Laden nur für Quietscheenten
Ein Laden nur für Quietscheenten
Plaza Mayor
Plaza Mayor

Um in das Zentrum von Madrid zu gelangen, muss ich die Metro nehmen. Dafür brauche ich erst einmal eine Plastikkarte für öffentliche Verkehrsmittel, auf die ich meine Fahrkarten abspeichern soll. Das Ding kostet mich 2,50 Euro und ich kann ich es noch nicht einmal irgendwo wieder loswerden. Kommt es eben zu meiner Kartensammlung. Ich bin gespannt, wie voll mein Geldbeutel nach meinem Spanienaufenthalt ist. Wahrscheinlich landen die Dinger dann im Müll. In der Innenstadt stehe ich schließlich enttäuscht auf dem Plaza Mayor. Irgendwie hatte ich mir den eindrucksvoller vorgestellt. Zumindest der Palazzo Reale ist echt imposant. Eine Besichtigung reizt mich jedoch auch hier nicht wirklich. Ergo fahre ich nach einem einstündigen Spaziergang die 45 Minuten wieder zurück zu meinem Hotel.

Am nächsten Morgen fahre ich nach Sevilla weiter. Allerdings ist die andalusische Hauptstadt noch mehr als 500 Kilometer entfernt. Das packe ich an einem Tag nicht, vor allem, weil noch ein wenig Arbeit auf meinem virtuellen Schreibtisch liegt. Deshalb quartiere ich mich direkt an der Autobahn, die mich hoffentlich am nächsten Morgen sicher nach Sevilla führt, ein. Zuerst habe ich ein wenig Bedenken, in einem Hotel neben einer Tankstelle mitten im Nirgendwo die Nacht zu verbringen. Im Endeffekt sind diese jedoch unbegründet. Dank der ruhigen Umgebung schlafe ich zudem wie ein Baby. „Sevilla, ich komme!“-lautet am nächsten Morgen meine Devise.

Die Hauptstadt Andalusiens lieben lernen

Der Plaza de España in Sevilla
Der Plaza de España in Sevilla

Sevilla rückt bereits in greifbare Nähe, als ich die typischen weißen andalusischen Häuser am Rand der Autobahn sehe. Bevor ich mich in den Stadtverkehr stürze, möchte ich jedoch an einer Tankstelle halten, um noch schnell das stille Örtchen aufzusuchen. Guter Dinge biege ich ab und finde mich in einem idyllischen kleinen Dorf im Herzen Andalusiens wieder. Am Straßenrand stehen Menschen, die träge vor sich hin erzählen. Es ist mitten in der Siesta.

Da es im Umkreis von Sevilla noch ein paar Grad wärmer ist als in Vic, kann ich das gut nachvollziehen. Doch weit und breit finde ich keine Tankstelle. Entmutigt fahre ich wieder auf die Autobahn. Dann gehe ich eben in meinem Hostel auf Toilette. Dort habe ich mich in einem 10-Bett-Schlafsaal einquartiert. Anscheinend hat mir die Erfahrung in Zaragoza nicht gereicht. Oder ich bin einfach furchtbar geizig. Oder eben beides. Naja, auch egal. Da muss ich jetzt durch. Deshalb kaufe ich mir dann doch mal prophylaktisch Ohrstöpsel. Ob ich mit den Dingern im Ohr schlafen können werde, ist allerdings mehr als fraglich, da ich den Druck sehr unangenehm finde.

Flamenco Show im Vorbeigehen

Sevilla und ich haben leider keinen guten Start. In meinem Schlafsaal übernachtet ein übergewichtiger Mann, der im Schlaf nicht nur redet, sondern auch alle Wälder dieser Welt absägt. Weder meine Ohrstöpsel noch meine laute Musik helfen dabei, diese Geräusche auszublenden. Zusätzlich bekomme ich auch noch meine Tage und habe extreme Unterleibschmerzen. Da es in meiner Herberge keinen gemütlichen Aufenthaltsraum gibt, wo ich meine schlaflosen Nächte zumindest lesend oder dösend verbringen kann, ziehe ich nach zwei Nächten die Reißleine und suche mir eine neue Unterkunft. Dort schlafe ich mich zwei Tage erst einmal aus.

Anschließend möchte ich zumindest noch ein wenig Sevilla entdecken. Von den Setas de Sevilla genieße ich einen wunderbaren Ausblick. Trotzdem bin ich unzufrieden, denn eigentlich hatte ich dem Besuch der Stadt freudig entgegengefiebert. Mit einem Besuch auf dem Plaza de España und im Real Alcazar versuche ich die Erfahrung noch zu retten. Auf dem Plaza de España komme ich zumindest kurz zu meiner kleinen Flamenco-Vorführung. Meine Laune hebt sich hier schon merklich.

Im Inneren des Real Alcazar von Sevilla
Im Inneren des Real Alcazar von Sevilla

Auch ein Blick auf die umliegenden Palmen tut sein Übriges. Im Alcazar, der vormaligen maurischen Festung der Stadt, bis Sevilla wieder von christlichen Streitkräften zurückerobert wurde, bestaune ich die unterschiedlichen Architekturstile. In die Gemächer, die heute noch von der Königsfamilie genutzt werden, darf ich zwar nicht rein, aber was soll’s. Kurzentschlossen lasse ich Cadiz links liegen und mache mich direkt auf den Weg in Richtung Murcia, mit einem Zwischenstopp in Granada. Vielleicht gefällt es mir dort ähnlich gut wie in Zaragoza? Drückt mir die Daumen.

Weitere Impressionen von Sevilla

Am Ufer des Guadalquivir
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Pferdekutschen an jeder Ecke
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Ein unerwartet schöner Anblick
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Frau (wenn auch nur aus Stein) weiß sich zu entspannen
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Die Kathedrale von Sevilla
Die Kathedrale von Sevilla
Auf dem Plaza de España
Auf dem Plaza de España
Einer der vielen Innenhöfe des Real Alcazar
Einer der vielen Innenhöfe des Real Alcazar
Der kühlste Platz im Alcazar von Sevilla
Der kühlste Platz im Alcazar von Sevilla
Die weitläufigen Gärten des Real Alcazar
Die weitläufigen Gärten des Real Alcazar
Überall gibt es kleine Überraschungen an den Wänden zu entdecken
Überall gibt es kleine Überraschungen an den Wänden zu entdecken

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